Marthas Tisch – fair zusammen erhält Landesintegrationspreis
Wittenberge war am Montag Gastgeber der Verleihung des 18. Landesintegrationspreises Brandenburg. Im frisch sanierten Mitropasaal des in diesem Jahr fertiggestellten Bahnhofsempfangsgebäudes wurden vier Initiativen und Einzelpersonen für ihr herausragendes Engagement bei der Integration von Menschen von Integrationsminister René Wilke und der Landesintegrationsbeauftragten Diana Gonzalez Olivo ausgezeichnet.
Unter den Preisträgern war auch eine Initiative aus Wittenberge: Die Begegnungsstätte „Marthas Tisch – fair zusammen“ erhielt den Landesintegrationspreis für ihr Engagement für Begegnung, Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Insgesamt wurden eine Initiative, ein Verein und zwei Einzelpersonen ausgezeichnet. Die Preise sind mit insgesamt 6.000 Euro dotiert. Wittenberges Bürgermeister Dr. Oliver Hermann hielt die Laudatio für „Marthas Tisch – fair zusammen“. Dabei stellte er insbesondere die Bedeutung der Begegnungsstätte für Wittenberge heraus.
„Marthas Tisch“ ist mitten in der Innenstadt in den ehemaligen Räumen der traditionsreichen Bäckerei Erfert entstanden. Als nichtkommerzieller Treffpunkt bringt die Begegnungsstätte Menschen unabhängig von Alter, Herkunft oder Lebenssituation zusammen. Workshops, Kochabende, Spielenachmittage, Treffen von Vereinen und Initiativen sowie gemeinsame Frühstücke schaffen Raum für Austausch und Begegnung. „Marthas Tisch“ leiste dabei weit mehr als Integrationsarbeit, betonte Hermann. Die Begegnungsstätte belebe die Innenstadt „nicht durch Konsum, sondern durch Gemeinschaft“ und mache die Bahnstraße zu einem Ort des Miteinanders. „Hier werden Brücken gebaut – zwischen Generationen, Kulturen und Lebenswelten. Hier entsteht Zusammenhalt, der unsere Stadt stärker macht“, so der Bürgermeister.
Landesintegrationsbeauftragte Diana Gonzalez Olivo betonte, dass die Preisträger aus mehr als 30 Bewerbungen ausgewählt wurden und mit ihrem ehrenamtlichen Engagement ein wichtiges Zeichen für Teilhabe und Integration setzen.
Die Preisträgerinnen und Preisträger im Überblick:
Marthas Tisch – fair zusammen
„Marthas Tisch“ in Trägerschaft der Evangelischen Kirchengemeinde Wittenberge ist ein offener Treffpunkt für alle Menschen im Ort: konsumfrei, barrierearm und lebendig – ein soziales Zuhause mitten in Wittenberge. Integration passiert dort im gemeinsamen Erleben und Tun: Menschen mit Migrationsgeschichte und mit Einschränkungen übernehmen Verantwortung, helfen beim Service, bei der Organisation, leiten Projekte oder moderieren Veranstaltungen. Es gibt vielfältige Aktivitäten: Mittagstisch, offene Spielabende, Internet-Sprechstunden, Kreativworkshops, Eltern-Kind-Treffen – aber auch Themen- und Filmabende zu brisanten Fragen unserer Zeit: globale Gerechtigkeit, fairer Handel, Demokratie, Gesundheit, Klima. Außerdem wurde ein Sprachclub für ältere Menschen ab 60 aufgebaut, die keinen Zugang zu klassischen Integrationskursen, aber den großen Wunsch haben, sich besser integrieren zu können.
Gideon Gichiri Githua
Der gebürtige Kenianer Githua lebt mit seiner Familie in Doberlug-Kirchhain und gestaltet dort aktiv das Gemeindeleben der evangelischen Kirchengemeinde mit. Im August 2025 hat er ein neues Projekt initiiert: Ein Sprachcafé, das einmal wöchentlich (dienstagabends) im evangelischen Gemeindehaus Kirchhain stattfindet. Hier kommen Deutsche und Menschen mit Migrationsgeschichte miteinander ins Gespräch. Githua kümmert sich um die Teilnehmenden, ihre Anreise (manche Geflüchtete können aufgrund des fehlenden ÖPNV in den Abendstunden nicht aus der Gemeinschaftsunterkunft hin- und wieder zurückkommen) und das Programm. Für die Kirchengemeinde ist diese Veranstaltung ein großer Gewinn, da es jenseits des wöchentlichen Gottesdienstes eine besonders niedrigschwellige Veranstaltung ist, an der alle teilnehmen und im Gespräch zusammenfinden können.
ESCALA e.V. KARAWANSEREI
Der Verein ESCALA e.V. (Kunst und Kultur im interkulturellen Kontext) ist der Trägerverein des Netzwerks KARAWANSEREI, das 2014 durch das Potsdamer interkulturelle Frauentheaterprojekt enstand. Seitdem sind sowohl in Brandenburg/Havel (2023) als auch in Eberswalde (2025) weitere wöchentliche, interkulturelle Frauentheaterprojekte entstanden. Seit 2024 existiert eine Workshopreihe zu Bewegung und Theater, an der alle Frauen (egal ob Deutsche oder Migrantinnen) kostenfrei teilnehmen können. Die im Projekt mitwirkenden Frauen gestalten aktiv Theaterstücke oder leiten Workshops für andere. Die wöchentlichen KARAWANSEREI-Gruppen bieten eine Begegnungsplattform für Frauen aus der ganzen Welt. Sie treffen sich einmal wöchentlich und gestalten gemeinsam ein Theaterstück. Die Arbeitssprache ist Deutsch und das vordergründige Ziel sind mindestens zwei öffentliche Aufführungen pro Jahr. Die Projektteilnehmerinnen sind zwischen 20 und 60 Jahre alt. Viele Frauen nehmen bereits seit mehreren Jahren aktiv. Insgesamt spielten bisher Frauen aus rund 25 verschiedenen Nationen bei den Aufführungen mit, darunter aus Afghanistan, Irak, Iran, der Ukraine und Syrien, denen die Frauentheatergruppen nach ihren Fluchterfahrungen Halt geben.
Wolfgang Frick
Seit seiner Pensionierung im Jahr 2015 engagiert sich Wolfgang Frick in der Kleiderkammer der evangelischen Stadtgemeinde Eberswalde, deren Leitung er seit sieben Jahren innehat. Unter seiner Verantwortung wurde die Einrichtung zu einem offenen Begegnungsort weiterentwickelt – mit neuen Angeboten für Studierende, Geflüchtete und sozial Benachteiligte. Er initiierte Upcycling- und Nähprojekte für Kinder, die Nachhaltigkeit, Teilhabe und gemeinsames Lernen verbinden. Seit nunmehr zehn Jahren ist Frick zudem Ansprechpartner und Begleiter für Geflüchtete in Eberswalde. Er hilft bei Behördengängen, vermittelt Kontakte und fördert Begegnungen zwischen alteingesessenen und neuen Bürgerinnen und Bürgern. Darüber hinaus absolvierte er eine zweijährige Ausbildung zum Demokratiebotschafter der evangelischen Kirche und wirkt seither in Bildungs- und Begegnungsprojekten mit, die demokratische Werte und gesellschaftliche Teilhabe fördern. Frick war über vier Jahrzehnte im Polizeidienst tätig, zuletzt als Erster Kriminalhauptkommissar und Leiter der Kriminaltechnik in der Polizeidirektion Ost. Seit 1993 ist er aktives Mitglied der Gewerkschaft der Polizei, heute Landesseniorenvorsitzender der GdP Brandenburg.







