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Stadtmuseum sucht alte Postkarten

(v. l. n. r.) Lukas Rogner (mit Postkarte vom Hafen), Mia Fee Husack (mit WIKO-Plakat), Marcel Steller (mit Stadtplan von 1913), Burkhard Genth (mit Postkarte der Moltkestraße) vor dem Stadtmuseum. (Foto: Birte Giese/Stadtmuseum) (Bild vergrößern)
Bild zur Meldung: (v. l. n. r.) Lukas Rogner (mit Postkarte vom Hafen), Mia Fee Husack (mit WIKO-Plakat), Marcel Steller (mit Stadtplan von 1913), Burkhard Genth (mit Postkarte der Moltkestraße) vor dem Stadtmuseum. (Foto: Birte Giese/Stadtmuseum)

Ob Sonderausstellungen, Vorträge, Stadtführungen, Anfragen aus der Bevölkerung oder Publikationen: im Stadtmuseum Wittenberge werden derzeit ganz unterschiedliche Veranstaltungen und Projekte vorbereitet – und alle haben sie etwas gemeinsam: die wechselvolle Geschichte von Stadt und Region aufarbeiten, vermitteln und für die Nachwelt erhalten.

„Das würde ich alleine gar nicht schaffen“, verrät Museumsleiter Marcel Steller und freut sich über eine breite Unterstützung aus der Bevölkerung.

Lukas Rogner, Student der Freien Universität Berlin schreibt beispielsweise derzeit seine Abschlussarbeit über die Geschichte der Bahnstraße, und zwar aus einem besonderen Blickwinkel: nämlich der Sinneswahrnehmung. Wie laut holperten die Pferdekutschen über das Pflaster? Wie deutlich roch man die Fabriken beim Bummeln? Ein spannendes Thema, wenn man bedenkt, dass Paul Lincke seine „Berliner Luft“ nach einem Spaziergang „Unter den (duftend blühenden) Linden“ komponierte. Zu Rogners Forschung fanden in Kooperation mit dem Stadtarchiv sogar Zeitzeugengespräche in einer Senioreneinrichtung statt.

Die Korbwarenproduktion WIKO kennen sicher noch viele Wittenberger. Doch Dokumente über dieses Stück Stadtgeschichte sind rar, weiß Stadtarchivarin Carola Lembke. Dort arbeiteten fast nur Frauen. Vielleicht ist das ein Grund, warum die männlichen Heimatforscher in der Vergangenheit einen Bogen um diese Manufaktur machten. Gerade das „Erleben anderer Perspektiven“ mache jedoch erst Geschichte verständlich – so steht es im Museumskonzept. Die Bundesfreiwilligendienstleistende des Stadtmuseums, Mia Fee Husack, trägt derzeit die wenigen originalen Überbleibsel der ehemaligen Korbwarenfabrik aus Archiv und Museum zusammen und verfasst einen Artikel für das Heimatmagazin „Prignitzer Heimat“. Solche Kooperationen zahlen sich aus, freut sich Frank Stubenrauch vom Heimatverein Groß Breese, der auch Redaktionsmitglied ist: „Für uns als kleinen Verein mit ehrenamtlich Tätigen ist es ein gutes und sicheres Gefühl, einen professionellen Partner wie das Stadtmuseum Wittenberge an der Seite zu wissen.“ Erst kürzlich hatte das Stadtmuseum mit Filmen über Singer und Veritas den Heimatverein unterstützt. 

Manchmal ist die Stadtgeschichte zu erforschen allerdings auch recht kniffelig – so wie in diesem Fall: der Wittenberger Burkhard Genth untersucht die ziemlich schlecht aufgearbeitete Geschichte des Arbeiterlebens in Wittenberge. „Über die Arbeitswelt und die Freizeit der Arbeiter im Scheunen- und Packhofviertel ganz zu Beginn, also im 19. Jahrhundert, wissen wir sehr wenig.“, klärt der Heimatforscher auf. Schriftliche Quellen gibt es kaum, weil die Schicksale der Arbeiter meist nicht beachtens- und bewahrenswert erschienen. Das Stadtmuseum bittet daher um die Unterstützung aus der Bevölkerung: Wer besitzt Fotografien oder Postkarten vom Packhof- oder Scheunenviertel aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg oder Unterlagen zur Freizeitgestaltung der Wittenberger aus der Industriezeit? 

„Wir freuen uns sehr, wenn wir die Postkarten und Fotos digitalisieren könnten – oder natürlich über eine Schenkung an uns“, bittet der Museumsleiter. Vom gesamten Packhof- und Scheunenviertel besitzt das Museum lediglich drei Ansichtskarten aus dieser Zeit, während es allein vom ehemaligen Kriegerdenkmal am Kaiserplatz (heute Heinrich-Heine-Platz) viele Duzende gibt.

Die Forschungsergebnisse von Burkhard Genth werden voraussichtlich im kommenden Jahr in einem Buch im Stadtmuseum veröffentlicht – und dann hoffentlich etwas reicher bebildert sein.

Fotos und Postkarten vom Packhofviertel und Quellen zur Freizeitgestaltung können im Museum zu den Öffnungszeiten als Schenkung vorbeigebracht werden. Das Museumsteam freut auch über weitere Ansichtskartenmotive Wittenberges aus der Zeit um 1900. Zum Scannen bittet das Museum um Terminabsprachen – auch außerhalb der Öffnungszeiten. Diese sind Mo, Do, Fr, So 11-15 Uhr. Bei Fragen stehen E-Mail: und Telefon (03877/405266) zur Verfügung.

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