Probewohnen wirkt: Zwei von drei bleiben in Wittenberge

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Seit über fünf Jahren bietet die Community elblandwerker* in Kooperation mit der Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Wittenberge und mit Unterstützung der Stadtwerke Wittenberge ein Probewohnen an, das sich als wirksames Instrument der kommunalen und regionalen Entwicklung für Zuzug und Fachkräftegewinnung etabliert hat. Das ganze Jahr über können Menschen das gute Leben in der Kleinstadt in der Prignitz in Brandenburg unverbindlich für eine Woche oder mehrere Monate testen und gleich Leute vor Ort kennenlernen, die Tipps geben und beim Ankommen helfen. 

Zwei von drei Gästen bleiben nach dem Probewohnen
Die Ergebnisse unterstreichen die Beliebtheit und die nachhaltige Wirkung des ehrenamtlichen Modells: Allein im Jahr 2025 verzeichneten die elblandwerker* eine Auslastung von 91 Prozent. Die zwei zur Verfügung stehenden Communitywohnungen waren kaum ungenutzt. Rund 20 Probewohner*innen, u.a. aus Berlin und Hamburg, testeten für eine Woche oder mehrere Monate das Leben in Wittenberge, die Bleibequote liegt bei 70 Prozent. Damit ziehen mindestens zwei von drei Teilnehmenden dauerhaft in die Kleinstadt an der Elbe. 

Gemeinschaft als Standortfaktor und Schlüssel für Zuzug
Die Erfahrung der elblandwerker* zeigt: Günstiger Wohnraum allein reicht nicht aus, um Zuzug in ländliche Räume nachhaltig zu fördern. Nahezu alle Testbewohner*innen kommen mit dem Wunsch nach sozialer Einbindung und Gemeinschaft. Das in Wittenberge etablierte Modell bietet dies: Einen niedrigschwelligen Zugang zu lokalen Netzwerken, kulturellen Angeboten und gemeinschaftlichem Arbeiten. Mit den kombinierten Angeboten aus Probewohnen, Coworking sowie Kultur- und Begegnung im Stadtsalon Safari haben in den vergangenen Jahren viele Menschen das Leben in Wittenberge kennengelernt und sind anschließend dauerhaft in die Stadt und die Region gezogen.

Beitrag zur Fachkräftegewinnung und Standortentwicklung
Das Probewohnen wirkt zugleich als Standortinstrument für Arbeitgeber. Neue Mitarbeitende, beispielsweise der Landesgartenschau Wittenberge 2027 sowie des Technologie- und Gewerbezentrums Prignitz, konnten beim Übergang aus Großstädten gezielt unterstützt werden. Das Modell ermöglicht ein komfortables Ankommen, die Suche nach dauerhaftem Wohnraum sowie das Knüpfen beruflicher und sozialer Netzwerke. 

Coworking als ergänzender Baustein
Alle Gäste, die das Probewohnen nutzen oder mal für einen Tag Wittenberge anschauen, erhalten kostenlosen Zugang zum neuen Community-Büro am Steintor in der Wittenberger Altstadt. Ein modernes, niedrigschwelliges Angebot für gemeinschaftliche Arbeitsplätze mit sozialer Einbindung ist für Menschen entscheidend, die viel remote arbeiten und Coworking aus ihren Städten kennen. Nachdem der Coworking-Standort der elblandwerker* fünf Jahre im TGZ Prignitz angesiedelt war, wird das Gemeinschaftsbüro nun eigenständig durch die Community in zentraler Lage betrieben. 

Bundesweite Anerkennung des Modells
Mit der Innovationskraft des Probewohnens in Kombination mit Gemeinschaftsangeboten brachten die elblandwerker* die Stadt Wittenberge und die Prignitz bereits in zahlreiche Medien, von TV bis Podcast. Mit der Aufmerksamkeit konnte die Community maßgeblich zur bundesweiten Bekanntheit und einem Image als engagierte und aufstrebende Stadt beitragen. 
Im Jahr 2025 schaffte es das Projekt der im Bundeswettbewerb „Aus LEER wird MEHR – Innovationspreis Wohnen in ländlichen Räumen“ unter die besten 20 von 130 Einreichungen. In Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hatte das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) diesen Innovationspreis zur Reaktivierung von leerstehendem Wohnraum in ländlichen Räumen ausgelobt. 

Ausblick: Probewohnen wegen der Nachfrage weiter ausbauen
Für das Jahr 2026 haben sich bereits viele zum Probewohnen angemeldet, die zwei Communitywohnungen sind die ersten Monate ausgebucht. Um möglichst allen Anfragen gerecht zu werden, würden die elblandwerker* das Angebot gerne mit einer weiteren Wohnung ausbauen und dauerhaft verstetigen. 

Christian Soult, ehrenamtlicher Community Manager der elblandwerker*, sagt: “Menschen kommen wegen der Gemeinschaft nach Wittenberge – und bleiben, weil sie sich hier schnell als Teil davon fühlen. Wir haben in den letzten fünf Jahren gezeigt, dass unser Ansatz von Probewohnen für viele Menschen aus Großstädten ein echter Einstieg in ein neues Leben in Kleinstädten und ländlichen Regionen ist. Wer seinen Lebensmittelpunkt verlegen möchte, braucht neben bezahlbarem Wohnraum und Jobperspektiven auch den unkomplizierten Anschluss an die Stadtgesellschaft. Wenn wir dem steigenden Bedarf dauerhaft gerecht werden, können wir mit unseren Angeboten viele Menschen in der Prignitz willkommen heißen und Wittenberge langfristig stärken.”

Einbettung in Landesstrukturen und Übertragung des Modells
Die elblandwerker* sind aktives Mitglied im Netzwerk „Ankommen in Brandenburg“, einem landesweiten Zusammenschluss von über 23 Initiativen, die Zuzug, Rückkehr und Integration in ländlichen Räumen fördern. Zum Beispiel organisiert das Netzwerk einmal im Jahr die Brandenburger Zuzugswochen und regelmäßige Netzwerktreffen für den Austausch. Nachdem die elblandwerker* seit 2020 als eine der ersten Initiativen dauerhaft Probewohnen anbietet, sind weitere Städte in Brandenburg, wie Guben und Calau, mit ähnlichen Angeboten dazu gekommen. 

Über die elblandwerker*
Die elblandwerker* sind eine Kooperative für Arbeit, Leben und Wandel, die 2020 als Fortführung des Projektes “Summer of Pioneers” in Wittenberge im nordwestluchen Brandenburg entstanden ist. Mit Angeboten wie Probewohnen, Coworking sowie Kultur und Begegnung richten sie sich an Menschen, die nach einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten suchen und ein Bedürfnis nach Ruhe, Natur und Entschleunigung verspüren. Sie helfen ehrenamtlich dabei, sich in der Prignitz anzusiedeln, sich zu vernetzen und gemeinsam Ideen und Projekte in und für die Region zu verwirklichen. Das ist ein wesentlicher Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung und Regionalentwicklung. 
Weitere Informationen hier: https://elblandwerker.de/.